Aus einem Buch zitieren: APA, MLA und Chicago mit Beispielen
Vor drei Wochen hast du das perfekte Zitat gefunden. Jetzt ist die Hausarbeit fällig, und du weißt weder die Seite noch die Ausgabe, vielleicht nicht einmal mehr das Buch. So zitierst du ein Buch in den drei gängigsten Stilen richtig, und so verlierst du die Angaben gar nicht erst.
Die Angaben einmal sammeln
Alle Stile setzen sich aus denselben Angaben zusammen. Du findest sie im Impressum der Ausgabe, die du tatsächlich gelesen hast:
- vollständiger Name der Autorin oder des Autors,
- vollständiger Titel mit Untertitel,
- Verlag und Erscheinungsjahr dieser Ausgabe,
- Seitenzahl des Zitats,
- Übersetzer oder Herausgeber, falls vorhanden.
Die Beispiele unten nutzen Daniel Kahnemans Thinking, Fast and Slow, erschienen 2011 bei Farrar, Straus and Giroux, mit einem Zitat auf Seite 45.
Welcher Stil an deutschen Hochschulen?
Das hängt stark vom Fach ab. In der Psychologie und vielen Sozialwissenschaften ist APA verbreitet. In den Geisteswissenschaften wird oft mit Fußnoten zitiert, der sogenannten deutschen Zitierweise, die Chicago sehr ähnlich ist. Entscheidend ist immer der Leitfaden deines Instituts oder deiner Lehrperson.
APA (7. Auflage)
Im Text: (Kahneman, 2011, S. 45) oder Kahneman (2011) schreibt, dass „…“ (S. 45). In deutschsprachigen Arbeiten wird die Seite meist mit „S.“ angegeben, in englischsprachigen mit „p.“.
Literaturverzeichnis:
Kahneman, D. (2011). Thinking, fast and slow. Farrar, Straus and Giroux.
Typische Stolperfallen: Initialen statt Vornamen, im englischen Titel nur das erste Wort großgeschrieben, kein Verlagsort. Zitate ab 40 Wörtern werden als eingerückter Block ohne Anführungszeichen gesetzt.
MLA (9. Auflage)
Im Text: (Kahneman 45). Kein Komma, keine Seitenabkürzung.
Works Cited:
Kahneman, Daniel. Thinking, Fast and Slow. Farrar, Straus and Giroux, 2011.
MLA begegnet dir vor allem in der Anglistik und Amerikanistik. Zitate über vier Zeilen werden eingerückt.
Chicago (17. Auflage)
Chicago hat zwei Systeme. In den Geisteswissenschaften ist das Fußnotensystem üblich.
Erste Fußnote:
1. Daniel Kahneman, Thinking, Fast and Slow (New York: Farrar, Straus and Giroux, 2011), 45.
Weitere Fußnoten zum selben Buch: Kahneman, Thinking, Fast and Slow, 45.
Literaturverzeichnis:
Kahneman, Daniel. Thinking, Fast and Slow. New York: Farrar, Straus and Giroux, 2011.
Das Autor-Jahr-System sieht im Text so aus: (Kahneman 2011, 45). Zitate ab 100 Wörtern stehen als Block.
E-Books ohne feste Seitenzahlen
Kindle-Positionen ändern sich mit Schriftgröße und Gerät, deshalb raten die Stile davon ab, sie zu zitieren. Zeigt dein E-Book Seitenzahlen, die einer Druckausgabe entsprechen, nimm diese. Wenn nicht, gib stattdessen das Kapitel an, in APA etwa (Kahneman, 2011, Kap. 3), und in einer Chicago-Fußnote das Kapitel an der Stelle der Seite.
Übersetzungen und ältere Werke
Zitier immer die Ausgabe, die du gelesen hast, nicht das Original. Bei einer Übersetzung gehört der Übersetzer dazu. In APA gibst du außerdem das Jahr der Erstveröffentlichung am Ende des Eintrags an. Seitenzahlen gehören zu einer Ausgabe: Ein Zitat auf Seite 45 der einen Auflage kann in einer anderen auf Seite 52 stehen.
Paraphrasen und Sekundärzitate
Auch eine Paraphrase, also ein Gedanke in deinen eigenen Worten, braucht einen Beleg. In MLA und Chicago gibst du wie gewohnt die Seite an. APA verlangt bei Paraphrasen nicht zwingend eine Seite, empfiehlt sie aber, gerade bei langen Büchern, damit man die Stelle findet.
Manchmal stammt das Zitat, das du willst, von jemand anderem und wird in deinem Buch nur wiedergegeben. Am besten findest und zitierst du das Original. Geht das nicht, belegst du das Buch, das du tatsächlich gelesen hast, und kennzeichnest das Sekundärzitat: in APA etwa (Smith, 1990, zitiert nach Kahneman, 2011), im Literaturverzeichnis steht dann nur Kahneman. Zitier das Original nie so, als hättest du es selbst gelesen.
Ein Beispiel
Lena speichert ein Zitat für ihre Hausarbeit in der Notizen-App ihres Handys: den Satz und den Buchtitel, sonst nichts. Drei Wochen später braucht sie die Seite. Sie leiht das Buch erneut aus, aber es ist eine andere Auflage, und die Seitenzahlen passen zu nichts. Sie verbringt einen Abend damit, Kapitel zu überfliegen, um einen einzigen Satz wiederzufinden.
Ihre Lösung für die nächste Arbeit ist klein: Jedes Mal, wenn sie ein Zitat speichert, schreibt sie direkt die Seite dahinter und ein Kürzel für das Buch. Einmal pro Buch überträgt sie die vollständigen Angaben aus dem Impressum in eine Liste. Beim Schreiben dauert jeder Beleg ein paar Sekunden.
Warum die Quelle beim Zitat bleiben sollte
Fast jeder Ärger mit Belegen entsteht, weil Zitat und Quelle getrennt werden. Deshalb speichert die Zitatsammlung von ClearRead jede unterstrichene Stelle zusammen mit ihrer Herkunft. Beim Kopieren bekommst du den Beleg mit einem Tipp in APA 7, MLA 9 oder Chicago, und wenn du eine ISBN oder DOI einfügst, werden die Angaben automatisch ergänzt. Egal mit welchem Werkzeug: Gleich das Ergebnis mit dem Leitfaden deines Instituts ab. Lehrende wünschen sich oft kleine Abweichungen.
Kurze Checkliste
- Seitenzahl bei jedem Zitat gespeichert.
- Angaben aus der Ausgabe, die du wirklich gelesen hast.
- Jeder Beleg im Text hat einen Eintrag im Literaturverzeichnis.
- Lange Zitate als Block gesetzt.
Jedes Zitat mit seiner Quelle
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